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Präventionsprojekte im Kreis Bergstraße
„ The next Generation – Die Jugend ist unsere Zukunft „
Unser Verein besteht seit 13 Jahren und unsere Arbeit hat sich der Jugend verschrieben.
Konzeptionelle Aspekte
Das Boxtraining besteht, neben einem sehr grossen Anteil an Ausdauertraining und dem Boxen selbst, vor allem aus der Einhaltung von Regeln und dem Respekt gegenüber den Trainingspartnern. Diese Regeln und respektvolles Verhalten sind unbedingt einzuhalten, im anderen Fall erfolgen zeitgleich Sanktionen bis zum sofortigen Ausschluss, wobei hier individuell unterschieden werden muss, um mit der Person nachhaltig arbeiten zu können.
Dies bedeutet bereits einen Unterschied zu anderen Vereinen. Neben diesem Einhalten von Regeln und Grundsätzen ist hohes Durchhaltevermögen gefragt. Dies lässt sich durchaus abstrahieren auf den Alltag mit dessen Regeln und Anforderungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Jugendliche auch in anderen Bereichen davon profitieren wird ist als hoch einzuschätzen, nicht zuletzt aufgrund der Steigerung des Selbstwertgefühls (der erlebte Selbstwert ist bei gewaltbereiten Jugendlichen, wie wissenschaftliche Studien belegen, grösstenteils als sehr gering einzustufen) und der Vernetzung mit anderen Stellen. Mit einem hohen Selbstwertgefühl und einer damit einhergehenden grösseren „Zufriedenheit“ hat man es in der Regel nicht nötig, aggressiv gegen Andere vorzugehen, auch geht man nicht so leicht auf Provokationen ein. Kontakte mit Kooperationspartnern helfen Themen in anderen Bereichen zu bearbeiten.
Die Sicherung bzw. der Aufbau des Sozialen Friedens in unserer Gesellschaft ist damit eine weitere, wichtige Zielsetzung unserer Arbeit.
Diese Aspekte und die immer wiederkehrende Thematisierung von Aggression, Provokation, Verantwortung und der eigenen Rolle darin führen auch dazu, dass bisher gewaltbereite Jugendliche durch das Boxen nicht noch gewaltbereiter werden, sondern im Gegenteil, dazu neigen sich eher zurückzunehmen und sich z.B. über die Folgen aggressiven Verhaltens Gedanken machen und zunehmend ein Verhalten in gesellschaftlich erwünschter Manier zeigen. Das Boxtraining zur Verminderung von Gewalt als Konfliktlösungsstrategie stellt damit kein Paradoxon dar.
Die allgemeine Auffassung, dass allein durch sportliche Betätigung Aggressionen langfristig „beseitigt“ werden, also dass man Aggressionen abreagieren könne, steht auch im Widerspruch zu einigen wissenschaftlichen Untersuchungen.
Neben der sportlichen Betätigung muss somit auch auf anderer, persönlicher Ebene individuell sowie innerhalb der Gruppe zusammen gearbeitet werden, um so die kognitiven und emotionalen Muster aufzudecken und die unmittelbaren Folgen für den Einzelnen, wie auch für das Gegenüber bei aggressivem, nicht erwünschtem Verhalten deutlich zu machen. Gleichzeitig müssen die möglichen Perspektiven auf anderer Ebene, z.B. der Bildung, im Blick behalten werden. Dies geschieht in der Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern, begleitend durch persönliche wie auch Gruppengespräche und Fallbeispiele aus der Lebenswelt der Jugendlichen. Eine enge Vernetzung mit den verschiedenen Kooperationspartnern ist unabdingbar.
Beispiel:
Ein Jugendlicher, 17 Jahre alt, mehrfach auffällig durch Körperverletzung und der JGH bereits bekannt, erzählte, dass er mit jemandem einen Tag nach dem Training auf der Strasse „zum Spass trainiert habe. Da kam ein ebenfalls 17 Jähriger Jugendlicher hinzu und meinte, er wolle „zum Spass mit ihm kämpfen. Der besagte Jugendliche erwiderte ihm, er könne das schon machen, aber nachher treffe er ihn an der Nase und aus Spass könne Ernst werden. Deshalb wolle er nicht mit ihm kämpfen. Damit war das Thema vom Tisch. Monate zuvor hätte er unter Umständen anders reagiert. Die Rücksprache mit der zuständigen Schulsozialarbeiterin bestätigte, dass bislang nichts mehr vorgefallen war.
Die Teilnehmer des Boxtrainings werden somit neben dem sportlichen Aspekt in ihren Entwicklungsprozessen unterstützt. Ein Ziel dabei ist, auf Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten zu verzichten. Dies kann nur geschehen wenn auf die persönliche Ebene eingegangen wird und, nicht wie in manch anderen Vereinen, das Hauptaugenmerk nur auf der sportlichen Leistung liegt. Dies unterscheidet uns deutlich von anderen Vereinen. Das Projekt ist gleichzeitig auch auf Jugendliche ausgerichtet, die in der Vergangenheit in eine Opferrolle gedrängt worden sind. Akzeptanz, Respekt, Toleranz und Verständnis sind hier buchstäblich die Schlagworte des Umgangs untereinander.
Gerade die Verschiedenheit der Teilnehmer im Hinblick auf ihre Herkunft, ihre Lebenswelt, des Bildungsstandes sowie auch des Leistungsstandes und des Alters birgt viele Chancen in Bezug auf die Aspekte einer gelingenden Integration in unserer Gesellschaft.
Konkret sind 70% unserer Vereinsmitglieder unter 18 Jahre alt.
Insgesamt sind 19 verschiedene Nationen vertreten.
Den verantwortlichen Trainern kommt hier eine feinfühlige, führende, leitende, akzeptierende, vorbildhafte aber auch einfordernde und Grenzen ziehende Schlüsselposition zu, als Trainer kann deshalb nicht jeder geeignet sein.
Neben den sportlichen Erfolgen konnten wir bereits mehrere Jugendliche mit Migrationshintergrund und wenig Halt im Leben auf dem Weg in das Jugend- und Erwachsenenalter begleiten, unterstützen und so zu einer gelungenen Integration beitragen.
Aktuell gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Streetworker von Heppenheim, der mit 8-9 Jugendlichen mit Migrationshintergrund und teilweise polizeibekanntem Lebenslauf (dies bedeutet keinen direkten Zusammenhang!) regelmässig zum Training kommt.
Ohne entsprechende Unterstützung und Eignung unseres Vereins und den Verantwortlichen wäre das so nicht möglich gewesen.
Gewaltbereite Jugendliche aus problematisch geltenden Verhältnissen sind oftmals nicht in bereits existierenden Vereinsstrukturen der Verbände vertreten.
Wichtig sind deshalb existierende Kooperationspartner wie z.B. die Aufsuchende Jugendsozialarbeit, Einrichtungen der Jugendpflege, bestimmte Mitarbeiter der Polizei und natürlich die Zusammenarbeit mit Schulen und deren Schulsozialarbeiterinnen.
Das Boxprojekt mit dem Goethe-Gymnasium wird im Januar in den Schulräumlichkeiten starten. der Kirchbergschule haben wir als Verein erst einmal einen Boxsack geschenkt und mit Frau Anna Rönnebeck vereinbart im neuen Jahr mit dem Anti Agressionsabbau Programm zu starten.
Somit ist einer Integration auf mehreren Ebenen ebenfalls der Weg geebnet, gemeinsame Trainings- und Unterstützungsangebote sind ein Ziel des Ganzen.
Für die Zukunft erhoffen wir uns , neben der Einrichtung neuer Integrationsprojekte in Schulen, ausser der nötigen Anerkennung auch finanzielle Unterstützung zu bekommen, denn mit den begrenzten finanziellen Ressourcen eines Vereins wird die Realisierung und der Ausbau solcher und weiterer Projekte mehr als schwierig werden. Das wäre sehr schade, denn:
„Die Jugend ist unsere Zukunft“
Bensheim, den 02.12.2011
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